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Tiere

Igel

Das Wort Igel hat zwei biologische Bedeutungen. Im weiteren Sinn bezeichnet es jedes Tier, das zur Familie der Igel (Erinaceidae) gehört. Diese Familie umfasst 25 Arten, von denen zwei in Europa leben.

Im engeren Sinn meinen wir in Mitteleuropa einen Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), die anderen 24 Arten von Igeln kommen hier nicht vor. In Osteuropa und in Südosteuropa ist der Nördliche Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) verbreitet.

Die Braunbrustigel werden auch Westeuropäische Igel oder kurz Westigel genannt. Um diese einheimischen Igel geht es auf dieser Seite.

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Wikipedia Familie Igel

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Braunbrustigel

Unsere einheimischen Igel sind unverkennbar an ihrem Stachelkleid, das den Rücken und die Körperseiten bedeckt. Der Bauch ist graubraun oder braun behaart. Erwachsene Igel sind 25 bis 30 cm lang und wiegen zwischen 400 und 1100 g. Das Gewicht hängt stark ab von der Jahreszeit und dem Gesundheitszustand.

Braunbrustigel im März
Braunbrustigel im März (Bild: Hrald qu149)

Lebenszyklus: Nach einer tragzeit von ungefähr fünf Wochen bringen Igelweibchen 2 bis 10 Junge zur Welt. Bei der Geburt wiegen sie zwischen 12 und 25 g und sind blind und taub. Die Haut der Neugeborenen enthält viel Wasser, die Stacheln sind in diese polsterartige Haut eingedrückt und können die Mutter bei der Geburt nicht verletzen.

In der dritten Lebenswoche öffnen sich Augen und Ohren. Von der vierten Woche an folgen sie der Mutter bei Streifzügen und beginnen selbst, Nahrung zu suchen. Nach sieben Wochen sind sie entwöhnt und nach einem Jahr geschlechtsreif. Igel können 10 Jahre alt werden.

Ablauf eines Igeljahres: Für die Igel ist das Jahr in fünf deutlich abgegrenzte Zeitabschnitte eingeteilt. Der erste beginnt im Frühling mit dem Erwachen aus dem Winterschlaf und dauert bis zu einem Monat. Die Tiere sind sehr aktiv und erforschen ihr Gebiet, sie halten sich dabei nicht an Reviergrenzen.

Der zweite Abschnitt beginnt Ende April und dauert bis in den August hinein. Es ist die Zeit der Partnersuche und der Fortpflanzung. Oft gibt es nach einer ersten Geburt Ende Mai eine zweite im August.

Der dritte Zeitabschnitt umfasst ungefähr die Monate September und Oktober und reicht in den November hinein. Die in diesem Jahr geborenen Jungtiere werden nun selbständig. Alle Igel verwenden jetzt viel Zeit für die Nahrungsaufnahme, sie setzen Fett an. Die spät im Jahr geborenen Jungtiere haben es schwerer, sich ausreichende Reserven für den Winterschlaf anzufressen.

Der vierte Zeitabschnitt ist kurz. Er beginnt mit der ersten Kälte. Mit der Kälte verschwinden auch die meisten Beutetiere. Die Igel bauen Nester an geschützten Plätzen und bereiten sich auf den Winterschlaf vor, der als fünfter Zeitabschnitt folgt.

Verbreitung des Braunbrustigels
Verbreitung des Braunbrustigels (Grafik: Udo
Schröter qu148)

Winterschlaf: Die Einleitung des Winterschlafs hängt von mehreren Faktoren ab: Rückgang der Temperatur, Kürzerwerden des Tages, Verknappung des Nahrungsangebots und hormonelle Umstellungen. In Hessen dauert der Winterschlaf etwa vier Monate. In Westfrankreich mit milderem Klima sind es nur drei Monate.

Die Tiere senken ihre Körpertemperatur, sie liegt dann nur wenig über der Temperatur der Umgebung. Die Atmung ist kaum wahrnehmbar. Der Herzschlag ist stark verlangsamt. Die Igel beenden den Winterschlaf, wenn die Temperatur in der Dämmerung 9 °C erreicht.

In südlichen Gegenden fallen im Sommer in Zeiten der Dürre manche Tiere in eine Starre, die dem Winterschlaf ähnelt und zwei bis fünf Wochen andauern kann. Ausgedehnte Trockenzeiten können dazu führen, dass die Fortpflanzung in einem Jahr beeinträchtigt wird oder ganz ausfällt.

Lebensraum: Als Schlafplatz genügt den Igeln eine Mulde aus Laub unter einer Hecke, einer Bumwurzel oder einem Strauch, wo sie sich verstecken können. Die Nester von Igelmüttern sind immer gut gepolstert, Igelmännchen ruhen tagsüber oft nur im hohen Gras. Igel sind sehr ortstreu. Sie benutzen oft jahrelang das gleiche Nest. Das Gebiet, in dem sie Nahrung suchen, erstreckt sich einige hundert Meter um das Nest herum.

Igel leben in sehr unterschiedlichen Landschaften. Eine Ausnahme sind Sumpfgebiete und Nadelwälder, dort findet man pratisch keine Igel. Die intensive Landwirtschaft hat dazu geführt, dass Igel aus großen Teilen der Landschaft verschwunden sind, weil sie weder in noch am Rand der Monokulturen genügend Nahrung und Plätze finden, wo sie ein Nest bauen können.

Die erzwungene Landflucht der Igel hat sie zu Kulturfolgern gemacht. Häufig trifft man Igel in Gärten am Rand oder mitten in menschlichen Siedlungen.

Nahrung: Igel leben vorwiegend von tierischer Nahrung. Die Nahrung besteht aus Insekten, Spinnen, Tausendfüßlern, Regenwürmern, Schnecken, kleinen Wirbeltieren und Eiern. Igel fressen auch Aas und knabbern an süßen Früchten. Ein Igel braucht am Tag 80 bis 150 g Tierisches. Igel trinken viel Wasser.

Junger Braunbrustigel
Junger Braunbrustigel (Bild: Gibe qu150)

Tagesrythmus: Igel sind in der Dämmerung und nachts aktiv. Sie unterbrechen regelmäßig ihre nächtlichen Streifzüge und kehren kurz oder für Stunden in ihr Nest zurück. Sie haben also mehrere Akrivitätsphasen in einer Nacht. Tagsüber ruhen die Igel in der Regel in ihrem Nest.

Die wichtigste Aktivitätsphase ist die am Anfang der Nacht. In dieser Zeit suchen die Igel nach Essbarem. Erkundungen des Gebiets und Begegnungen mit Artgenossen fallen mehr in die zweite Nachthälfte.

Sozialverhalten: Erwachsene Igel sind Einzelgänger. Männchen suchen nur während der Paarungszeit die Nähe von Weibchen. Die Aufzucht der Jungen ist reine Frauensache. Die Jungtiere bleiben auch nachdem sie entwöhnt sind noch eine Zeit lang bei der Mutter, manchmal auch noch während des Winterschlafs.

Über Igelreviere wird Unterschiedliches berichtet. Es hängt möglicherweise von der Jahreszeit, der Populationsdichte und vom Nahrungsangebot ab, wie sehr ein einzelner Igel ein Gebiet als sein Revier verteidigt.

 

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Gefährdung der Igel

Uhus: Igel haben in der freien Natur nur wenige Feinde. Gegen den Stachelpanzer eines gesunden Igels sind Raubtiere wie Füchse machtlos. Eine Ausnahme sind Uhus. In der Nähe von Uhuhorsten findet man häufig Igelbälge, die Felle mit den Stacheln. Gelegentlich enthalten Gewölle von Schleiereulen Teile von Igelstacheln.

Unterseite eines zusammen gerollten Igels
Unterseite eines zusammen gerollten Igels (Bild: Jürgen
Howaldt qu152)

Verteidigungshaltung: Wenn ein Igel sich angegriffen fühlt, zieht er Kopf und Pfoten völlig ein. Ein kräftiger Muskel unter der Haut zieht sich zusammen und stellt einige Tausend Stacheln in alle Richtungen auf. Diese Muskulatur ist typisch für Igel.

Das Stachelkleid hüllt den Igel als eine schützende Haube ein. Der Igel wird zu einem fast kugelförmigen stacheligen Ball.

Wenn seine Ohren und seine feine Nase dem Igel signalisieren, dass der Angreifer verschwunden ist, entkugelt er sich und setzt seinen Weg fort.

Menschen: Gefährlicher als Uhus sind für Igel menschliche Aktivitäten. Es wird geschätzt, dass allein in Deutschland in jedem Jahr 500.000 Igel auf Straßen überfahren werden.

Ein weiteres Problem für Igel ist die Ausräumung der offenen und halboffenen Landschaften durch eine mit Naturschutz unverträgliche intensive landwirtschaftliche Nutzung. In Maisfeldern beispielsweise finden Igel nichts zu fressen, und ein Nest bauen können sie dort auch nicht. Anders sieht es auf Streuobstwiesen aus.

Ein abgeerntetes Maisfeld
Ein abgeerntetes Maisfeld - ein Wüstengebiet für Igel
(Bild: Axel Hindemith qu151)

Krankheiten: Igel können sich nicht zwischen ihren Stacheln kratzen. Sie leiden daher sehr unter Außenparasiten. Es sind Flöhe, Läuse und Milben. Igel sind auch Wirte für Innen-parasiten, vor allem Würmer, die im Darm oder in der Lunge leben.

Mangelzustände: Lebensgefährlich für Igel sind Unterernährung im Spätherbst und Unterkühlung, vor allem dann, wenn sie zusammen mit starkem Parasitenbefall auftreten.

Unfälle: Es kommt immer wieder vor, dass Igel in Schächte oder durch offene Kellerfenster fallen. Auch eine Kellertreppe außen am Haus kann für Igel zur Falle werden. Das gleiche gilt für Gartenteiche mit steilem Rand. Eine lange Liste von Gefahrenquellen findet man bei Pro Igel.

Klimawandel: In den Jahren 2007 und 2008 mit kurzen Wintern sind Igel schon Ende Januar aus dem Winterschlaf erwacht. Viele von ihnen sind verhungert, weil sich die Insekten und Würmer, von denen sie leben, noch nicht blicken ließen.

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Schutz der Igel

Die Internet-Angebote von Pro Igel und den rechts genannten regionalen Igelschutzvereinen geben ausführliche Informationen und Hilfestellungen zum praktischen Schutz von Igeln.

Braunbrustigel am Rand einer Landstraße
Braunbrustigel am Rand einer Landstraße in Schweden
(Bild: Calle Eklund qu153)

Bestand: Noch wird der Braunbrustigel auf der gesamteuropäischen Ebene nicht als eine vom Aussterben bedrohte Tierart angesehen. In einigen europäischen Ländern gelten Igel aber schon als bedrohte Tierart. Durch das Bundesnaturschutzgesetz sind Igel in Deutschland ganzjährig geschützt.

Es fehlen genaue Zahlen. Aber Igel zählen ist schwer.

Straßenverkehr: Man kann versuchen, von der Zahl der im Sommer auf Straßen überfahrenen Igel auf die Gesamtzahl der Igel zu schließen. Aber das ist eine sehr ungenaue Methode. Besser wäre es natürlich, nachts und in der Abenddämmerung auf Landstraßen etwas langsamer und aufmerksamer zu fahren.

Landwirtschaft: Eigentlich sollte es möglich sein, dass Landwirte einen Teil ihres Grundbesitzes nicht landwirtschaftlich nutzen, sondern der Natur überlassen. Wenn alle Landwirte das tun, gibt es keine Nachteile für den einzelnen Bauer. Die Europäische Kommission hat entsprechende Vorschläge vorgelegt, die aber bisher nicht verwirklicht wurden.

Igelfreundlicher Garten: Menschen, die einen Garten am Rand von Siedlungen besitzen, können besonders viel für nahrungssuchende Igel tun. Es fängt damit an, dass der Gartenzaun mehrere Stellen hat, an denen Igel durchschlüpfen können. Gefahrenquellen für Igel im Garten und rund um das Haus sollten erkannt und entschärft werden. Man kann Wasser und Essbares anbieten.

Igel am Zaun
Dieser Zaun lässt Igel durch (Bild: Pro Igel qu154)

Igel am Tag: Gesunde Igel sind nachts und in der Dämmerung aktiv. Wenn man am Tag einem Igel begegnet, sollte man genauer hinsehen. Es sieht so aus, als würde der Igel nur sein Revier erkunden. Das tut er auch. Aber warum nicht nachts? Wahrscheinlich ist er hungrig, weil er nachts nicht genug zum Essen gefunden hat.

Füttern: Füttern im Herbst hilft den Igeln, mit einer ausreichenden körperlichen Reserve über den Winter zu kommen. Eine Notzeit für Igel kann aber auch ein trockener Sommer sein, wenn sich die Regenwürmer verkriechen.

Kranke und schwache Igel: Für die Behandlung von kranken und geschwächten Tieren braucht man Spezialkenntnisse. Hinweise, auch Telefon-Nummern, gibt es bei Pro Igel und den Igelschutzvereinen.

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aktualisiert am 24. August 2018
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