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Berichte aus 2012

Hier sind die aktuellen Berichte der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Oberursel aus dem Jahr 2012. Die Verweise auf Stellen im Internet außerhalb unseres eigenen Internet-Angebots funktionieren möglicherweise nicht mehr alle.

 


Vögel füttern

Für viele Familien ist es ganz selbstverständlich: mit dem ersten Advent beginnt das Vogelfüttern. Manche fangen schon früher an. Sie sagen, die Vögel sollen die Futterplätze kennenlernen, damit sie nicht erst suchen müssen, wenn es frostig wird. Für die Lebensmittelgeschäfte und Baumärkte ist das frühe Füttern natürlich ein großes Geschäft.

Kleiber Weidenmeise
Links: Kleiber und Kohlmeise an einer Futtersäule, Rechts: Weidenmeise und Blaumeise (Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Was halten Naturschützer vom frühen Vogelfüttern? vom Vogelfüttern überhaupt? - Wenn man vier Naturschützer fragt, bekommt man vier Antworten. Sie reichen von überhaupt nicht füttern, auch nicht bei Frost über füttern, wenn Schnee liegt bis zu ununterbrochen füttern das ganze Jahr hindurch.

Peter Berthold und Gabriele Mohr von der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee haben Argumente zusammen getragen und mit vielen Bildern und praktischen Tipps in dem unten gezeigten Buch (10 Euro) veröffentlicht. Auch wenn man ihrer Empfehlung, Vögel ganzjährig zu füttern, nicht folgt, ist das Buch eine wertvolle Informationsquelle.

Buntspecht an Meisenkugel Buch
Links: Ein Buntspecht an einer Meisenkugel (Bild: Ekkehard Beyer qu031) - Rechts: qu046

Man muss keinen Garten haben, um den Vögeln durch den Winter zu helfen. Eine Futtersäule und Meisenkugeln kann man auch auf einem Balkon aufhängen. Man belohnt sich dabei selbst ein bisschen: so nah kann man Kleiber und Buntspecht im Wald nicht sehen.

Es beruhigt außerordentlich, wenn man nur zehn Minuten lang den Vögeln an der Futterstelle zusieht. Da gibt es die Kohlmeisen, die sich aus Futterneid gegenseitig verjagen, und da gibt es die Spatzen, denen das Futtersuchen nur in der Gruppe gefällt, und die Ringeltauben, die immer zu zweit kommen.

Man erlebt die große Intelligenz der Vögel, die sich geschickt an neue Situationen anpassen. Ein Haussperling beobachtet, wie sich ein Buntspecht an eine Meisenkugel hängt. Kaum ist der Buntspecht weg, versucht es der Spatz auch, aber es gelingt ihm nicht. Schließlich schafft es der Spatz, oben auf der Meisenkugel zu landen.

Einige Vögel wissen, woher das Futter kommt. Wenn keins mehr da ist, hüpfen sie aufs Fensterbrett und klopfen an die Scheibe.

Vom 4. bis zum 6. Januar lädt der Naturschutzbund Deutschland ein zur Stunde der Wintervögel. (5. Dezember 2012)

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Heideaktion im November

Bei der Aktion auf der Stierstädter Heide am 3. November musste eine Kiefer fallen. Sie wuchs als allein stehender Baum mitten im Heidegebiet. Ihre Samen sorgten dafür, dass jedes Jahr neue kleine Kiefern zwischen dem Heidekraut entstanden (Bild rechts).

Wenn man genau hinsieht, bemerkt man Flecken auf den Bildern. Es hat geregnet am 3. November. Selbst etwas nass geworden, hat der Fotograf die Wassertropfen auf der Linse nicht bemerkt.

Gefällte Kiefer Junge Kiefern zwischen Heidekraut
Links: die gefällte Kiefer, Rechts: viele kleine Kiefern zwischen Heidekraut (Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Bei der nächsten Heideaktion am 16. März 2013 brauchen wir Helferinnen und Helfer, die den rechts abgebildeten Bereich von den jungen Kiefern befreien. Auch auf anderen Teilflächen der Stierstädter Heide müssen junge Kiefern und junge Birken entfernt werden.

Es geht uns darum, das größte noch existierende Heidegebiet südlich des Taunuskamms zu erhalten. (5. November 2012)

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Waldvernichtung in Oberursel?

Der Oberurseler Stadtwald ist nicht nur reich an Fledermäusen, es gibt in ihm auch ausgesprochen nasse Gebiete, die für die Tierwelt von großer Bedeutung sind. Einem solchen Gebiet mit Quellbiotopen, Bruch- und Sumpfwald droht die Zerstörung durch die Ausbaupläne der Frankfurt International School.

Quellgebiet im Wald Wassergraben im Wald
Links: Quellgebiet im Oberurseler Stadtwald - Rechts: ein wasserliebender Canis lupus familiaris
(Bilder: Claudia von Eisenhart Rothe qu034)

Im Oberurseler Rathaus befürwortet man die Pläne der Schule und denkt darüber nach, ob für das Waldgebiet, das für den Ausbau der Schule geopfert werden müsste, Ersatz an anderer Stelle geschaffen werden kann.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald weist darauf hin, dass das Waldgebiet aufgrund seines besonderen Charakters nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu erhalten ist und ein Ersatz mit gleicher Charakteristik an anderer Stelle unmöglich ist.

Eine ausführliche Dokumentation findet man im Abschnitt Bebauungsplan 140a. (23. September 2012)

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Nistkastenkontrolle

Wenn Sie im Juli oder August samstags durch den Oberurseler Stadtwald gehen, können Sie ihnen begegnen: den Männern mit den Aluminium-Leitern, oft ist auch eine Frau dabei. Die Leute von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald kontrollieren ihre 1400 Nistkästen.

Geöffneter Nistkasten Mit der Leiter zum Nistkasten Nistkasten eines Kleibers
Nistkastenkontrolle (Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Ende Juli brütet kein Vogel mehr, wir können den Nistkasten öffnen (oben links). Meistens sieht man an der Art des Nestes, wer es gebaut hat. Meisen sind die häufigsten Bewohner. Nistkästen, in denen Kleiber gebrütet haben, erkennt man schon von außen (oben rechts), die Ritzen sind zugeklebt.

Bevor die Nistkästen wieder verschlossen werden, entfernen wir die alten Nester, sonst wäre im nächsten Frühling kein Platz für ein neues. Was wir sehen, wird protokolliert. Besonders interessieren uns die Nachmieter.

Sobald die Vögel mit ihren flügge gewordenen Jungen den Nistkasten verlassen haben, interessieren sich andere Waldbewohner für die leer stehende Wohnung. Wir finden oft Waldmäuse, Fledermäuse und Siebenschläfer. Die Waldmäuse vertreiben wir, die Fledermäuse und die Siebenschläfer dürfen weiter schlafen.

Fledermaus in der Hand Schlafender Siebenschläfer
Links: Bechsteinfledermaus - Rechts: ein schlafender Siebenschläfer (Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Unter unseren Nistkästen sind auch spezielle Fledermauskästen, aber unsere Fledermäuse verbringen die Tage im Sommer auch gern in einem leer stehenden Vogelnistkasten.

16 verschiedene Fledermausarten haben wir in den vergangenen Jahren in Oberursel und Umgebung angetroffen. Das ist viel. In Deutschland sind nur 24 Arten einheimisch. Einen Überblick gibt die neu gestaltete Seite Fledermäuse. (12. August 2012)

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Klatschmohn und Robinien

Bei meinen Spaziergängen fällt mir immer wieder auf, dass auf Brachflächen, Straßenrändern und an Bahndämmen viel mehr blüht als auf den Wiesen, die gedüngt und dreimal im jahr gemäht werden. Auch auf Grundstücken, die als landwirtschaftliche Flächen aufgegeben sind und die nun auf ihre Zukunft als Bauland warten, ist die Artenvielfalt zehnmal größer als auf Getreidefeldern.

Fasziniert bin ich von der Geschwindigkeit, mit der Pflanzen aller Art Flächen besiedeln, die von Menschen nicht mehr genutzt werden. Niemand mäht oder jätet Unkraut, die Pflanzen haben Zeit, Samen zu bilden. Mit Blüten und Samen kommen Insekten und Vögel und Mäuse. Und darüber freuen sich die frei laufenden Katzen.

Robinien Klatschmohn
Robinien und Klatschmohn an einem stillgelegten Bahngleis (Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Brachflächen locken Pionierpflanzen an, unter ihnen auch Neophyten, wie im Bild links die Robinien. Auf der Seite Neophyten werden einige dieser Neuankömmlinge mir ihren Licht- und Schattenseiten vorgestellt. (Bericht: Ekkehard Beyer) (15. Juli 2012)

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Unser Regionaler Naturschutz-Terminkalender

Wohnort, Schulorte, Arbeitsorte und Freizeitorte einer Familie liegen oft weit aus einander. Wechsel der Wohnung oder der Arbeitsstelle fördern diese Zerstreuung. So kommt es, dass Naturschutzgruppen nicht nur Mitglieder im eigenen Ort haben, sondern auch in der Umgebung.

Auch der Besuch von Veranstaltungen in einer Entfernung bis zu 20 km ist nichts Ungewöhnliches. Es gibt dabei nur ein Problem: Wie erfährt man von den Terminen? Wer hat auf seinem Computer eine Liste der regionalen Naturschutzgruppen, die er regelmäßig nach interessanten Ausflügen, Kursen, Festen und Führungen durchsucht?

Umgebung von Oberursel
20 km um Oberursel (Grafik: Ekkehard Beyer qu031)

Die Naturschutzgruppen setzen unterschiedliche Akzente. Eine Gruppe hat ein eigenes Gelände mit Teichen, eine andere hat drei Kindergruppen und macht Abendwanderungen.

Eine Gruppe reinigt regelmäßig ihre 200 Nistkästen und macht Heilkräuterwanderungen, eine andere bietet Vorträge an aber auch Vogelbeobachtungen am Sonntagmorgen, ein andere Gruppe führt durch Flora-Fauna-Habitat-Gebiete und macht Naturfotokurse.

Die Wirkungsbereiche der Gruppen überlappen sich thematisch und räumlich. Das bedeutet nicht Konkurrenz sondern Ergänzung. Keine Gruppe kann alles machen. Zusammen bieten die Naturschutzgruppen der Region ein vielfältiges Programm an Veranstaltungen an, die selbst ein Stück Naturschutz darstellen oder dazu dienen, Verständnis für Naturschutz zu fördern.

Unser Regionaler Naturschutz-Terminkalender will helfen, die Angebote bekannter zu machen. Auf der Internet-Seite Alle Termine listet die SDW Oberursel die eigenen und die Veranstaltungen anderer Naturschutzgruppen auf, die nicht weiter als 20 km entfernt und auch für auswärtige Besucher interessant sind.

Auf der Seite Veranstaltungen bringt die SDW Oberursel eine Liste von Links zu den Gruppen, die im Internet zu finden sind und in der Region Veranstaltungen im Bereich Naturschutz anbieten. (22. Mai 2012)

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Sankt Bartholomäus und die Fledermäuse

Man sieht es dem Kirchturm von Sankt Bartholomäus in Frankfurt-Zeilsheim nicht an. Im Dachboden der Kirche haben Frankfurter NABU-Leute ein geräumiges Sommerquartier für Fledermäuse eingerichtet.

Kirchturm
(Bild: Ekkehard Beyer qu031)

"Schließung der Pfarrkirche. Wir möchten Sie schon heute darüber informieren, dass in der Zeit vom 10.04. bis 13.04.2012 die Kirche wegen Umbauarbeiten im Dachbodenbereich für das NABU-Projekt "Fledermausaktion" aus sicherheitstechnischen Gründen geschlossen ist, und alle Gottesdienste und Andachten in dieser Zeit ausfallen." qu002

So kündigten Pfarrer, Pastoralreferentin und Pfarrgemeinderat sechs Wochen vorher den Gemeindemitgliedern das Ereignis an. Bemerkenswert ist, dass die Idee, ungenutzen Raum im Dachboden für den Naturschutz bereitzustellen, von der katholischen Gemeinde ausging. Wären doch alle christlichen Gemeinden in Hessen, die Türme haben, so einsichtig und kooperativ!

Noch sind keine Fledermäuse da. "Das spricht sich rum" meint man bei NABU. Wenn die Fledermäuse kommen, sind sie im taubensicheren Dachboden von Sankt Bartholomäus Nachbarn von Turmfalken und Mauerseglern.

Der heilige Bartholomäus ist Schutzpatron von Frankfurt und Schutzpatron der Bauern, Winzer und Hirten. Was für Fledermäuse werden kommen? Vielleicht Große Mausohren (Myotis myotis). Wie Bauern, Winzer und Hirten lieben sie offenes Gelände und nehmen gern Quartier in menschlichen Siedlungen. (18. April 2012)

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Die Störche kommen

Seit Sonntag (18. März) ist wieder ein Storch an der Nidda in Frankfurt-Bonames. "Jubel bei den Menschen im Frankfurter Norden, Entsetzen bei Maus, Frosch und Erdkröte in Kalbach und Bonames." schreibt die Frankfurter Rundschau am 23. März.

In Bonames haben die Störche ein Nest auf einem Mast angenommen, den freundliche Menschen aufgestellt haben. Man kann die Bonameser Störche gut vom anderen Nidda-Ufer aus sehen.

Storch auf einer Wiese Störche auf einem Dach
(Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Vor zwanzig Jahren waren Störche praktisch aus Hessen verschwunden. Menschliche Hilfe hat dazu geführt, dass im Jahr 2011 wieder über 200 Paare in Hessen gebrütet haben.

Seit einigen Jahren rüstet NABU Störche mit Sendern aus. Man kann den Zug dieser Störche bis nach Afrika und wieder zurück im Internet bei NABU verfolgen. (25. März 2012)

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Bilder von der Heideaktion

In Oberursel fand am 10. März auf der Stierstädter Heide in Oberursel wieder einmal eine Heideaktion statt. Es war kühl aber trocken. Die dunkleren Bereiche im Bild sind von Heidekraut (Calluna vulgaris) bewachsene Flächen.

Junge Kiefern auf der Heide Stierstädter Heide im März
Links: Stierstädter Heide im März - Rechts: Junge Kiefern zwischen Heidekraut (Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Birken sind ausgesprochene Pionierpflanzen. Sie siedeln sich überall an, wo sie nicht an der Ausbreitung gehindert werden. Kiefernsamen stammen von den Bäumen am Waldrand. Wenn die einjährigen kleinen Kiefern und Birken nicht immer wieder entfernt werden, wird die Heide zu Wald.

Werkzeug Kind mit Schubkarre
Keiner muss sein eigenes Werkzeug mitbringen (Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Die Hacken braucht man bei den mehrjährigen Bäumchen. Die kleineren kann man mit der Hand herausziehen. Aber bücken muss man sich in jedem Fall.

Werkzeug Kind mit Schubkarre
(Bilder: Ekkehard Beyer qu031)

Die jüngsten Teilnehmer waren erst zwei Jahre alt. Viele Schubkarren-Ladungen zeigen das Ergebnis der Anstrengungen. Zwei weitere Heideaktion machen wir im September und eine im November. (15. März 2012)

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Diagnose: Dramatischer Naturmangel

Unter diesem Titel berichtete die Zeitschrift Psychologie heute im Oktober 2011 von einer Kindheit fern von Feld, Wald und Wiese. Der Artikel bezieht sich auf das neu erschienene Buch Das letzte Kind im Wald? des amerikanischen Journalisten Richard Louv.

Kinder im Wald
(Bild: Ekkehard Beyer qu032)

Louv weist in seinem Buch darauf hin, dass Kinder heute den größten Teil ihrer Zeit vor Bildschirmen und in geschlossenen Räumen verbringen. Immer seltener kommen sie mit realer Natur in Berührung.

Dieses wachsende Naturdefizit hat verheerende Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit. Louv warnt vor einer "Naturdefizitstörung". Zeichen dieser Störung sind Fettleibigkeit, hoher Blutdruck und Depressionen bei Kindern, die mit Medikamenten behandelt werden.

Besser wäre es, meint Louv, den Kindern Erfahrungen in der Natur zu ermöglichen: "Die Natur wirkt sogar heilend auf Kinder, ... indem sie ... den Einsatz aller Sinne fordert. ... In der Natur findet ein Kind Freiheit, Abenteuer und Ungestörtheit: eine Welt fern von den Erwachsenen, einen eigenen Frieden."

Neu an diesem Buch ist der Hinweis auf den Zusammenhang zwischen fehlenden Naturkontakten und Krankheiten bei Kindern. Neu ist auch der Hinweis, dass viele Kinder heute Natur ganz anderes wahrnehmen als ihre Eltern.

Nicht neu sind die Bemühungen, Kinder und Natur zusammenzubringen. Die Naturschutzverbände in vielen europäischen Ländern gehen seit Jahrzehnten in ihren Kinder- und Jugendgruppen diesen Weg. Schön ist, dass diese naturpädagogische Arbeit von so unerwarteter Seite Bestätigung und Anerkennung erfährt.

Der Autor Richard Louv ist Vorsitzender des Children and Nature Network. Das Buch ist erschienen im Beltz-Verlag qu047, hat 360 Seiten und kostet 19,95 Euro. (1. März 2012)

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aktualisiert am 11. Mai 2016
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